Samstag, 29. September 2012

Bastelstunde

Eigentlich hätte ich ja noch die eine oder andere Ausfahrt nachzutragen (coming really soon), aber aus aktuellem Anlass ...

Eigentlich wollte ich die Bremse richten, die seit dem letzten nightride schleift, weil ein Bremskolben klemmt (Majorie google bemüht, "Magura mobilisieren" gefunden, entgegen der Anleitung die Belege vor dem Mobilisieren entfernt, in der Folge die Julie erfolgreich belüftet/entsaftet, und fürs nächste Mal gelernt, wie man es richtig macht - hoff ich halt) ...

...  seit ich das Hardtail halbwegs artgerecht halte, bin ich mit dem Rad bzw. mit meiner Sitzposition unzufrieden. Mit der kaum vorhandenen Sattelüberhöhung komme ich mir vor wie auf einem Waffenrad, und bergauf krieg ich meinen Schwerpunkt kaum nach vorne, was das Vorderrad leicht macht und im steilen Gelände aufsteigen lässt. Abhilfe? Lenker weiter runter. Hab heute mal 2cm Spacer rausgenommen, mal schauen, ob es hilft. Vorbau umdrehen kann ich ja auch noch. Und ach ja, ja eh: Innensechskantsenkkopfschrauben nudeln verdammt schnell aus - einmal schief anschauen genügt.


Wo rohe Kräfte sinnlos walten ...

Notiz an mich: nächstes Mal zum Einstellen des Lagerspiels des Steuersatzes eine Zylinderkopfschraube verwenden. Und danach Schraube und Kappe ganz weglassen zwecks Leichtbau? Ned im Ernst!

Noch eine Notiz an mich: Nächstes mal nicht mit dem Handy, sondern mit der echten Kamera fotografieren.

Samstag, 15. September 2012

Businesslauf 2012

Letzten Mittwoch fand der Linzer Businesslauf statt, und das in perfekter Abstimmung mit einer Kaltfront, die dem Spätsommerwetter ein grausiges Ende bereitete.

Mein erster Laufbewerb seit - ich kann mich nicht erinnern, muss in meiner Hauptschulzeit gewesen sein. Zugesagt hab ich, "weil es eh nur ums Dabeisein geht", denn für das Wochenende davor war eigentlich noch ein 24h Rennen geplant (Hitzendorf), aber das war der Plan von vor dem Schlüsselbeinbruch. Hitzendorf hab ich dann gespritzt, weil ich mich nicht gut genug in Form fühlte, das Rennen als Rennen zu fahren, und 24h im Kreis rollen wollte ich auch nicht. Stattdessen bin ich in den letzten Wochen viel am Mountainbike gesessen und zwischendurch die eine oder andere Laufeinheit hauptsächlich im Wintertrainingstempo (also laaaangsaaaam). Ja, ich geb's zu: ein paar Intervalle waren auch dabei, aber keine wirklich harten Einheiten. Es ging ja nur ums Dabeisein, oder, ums überprüfbar zu machen, um einen Schnitt von 6min/km. Ein bisschen schneller vielleicht, wenn es gut geht.

Saukalt war es, und der Regen wurde nur von starken Schüttern unterbrochen. Startnummern abholen, Mannschaftsfotos, ein paar Runden zum Aufwärmen durch das Linzer Stadion. Langes Herumstehen im Regen vermied ich, verzichtete dafür auf eine gute Startposition, mehr als den dritten (langsamsten) Startblock traute ich mir nicht zu, es ging ja nur ums Dabeisein. Als einer der letzten lief ich los, aber kaum war die Startlinie überschritten, ging das Rennpferd mit mir durch. Hätt ich mir ja denken können. Der Stau am Stadionausgang eine Geduldsprobe, die ersten beiden Anstiege (keine dramatischen) konnte ich nicht das Tempo laufen, dass ich gerne gelaufen wäre, zu dicht das Teilnehmerfeld, obwohl ich reihenweise Leute überholte. Erst im letzten Drittel war das Feld lockerer und ich konnte über den letzten Hügel richtig Tempo machen. Im Ziel war es dann genau ein 5er - Schnitt (5,6km in 28:01). Für mich überraschend gut.

Fazit:
Nur zum Spaß laufen schaff ich im Rennen nicht.
Realistische Einschätzungen der Leistung in einem Bewerb liegt völlig daneben, wenn ich keine Erfahrungswerte aus anderen Bewerben habe: Und grundsätzlich schätze ich mich dann deutlich schwächer ein als ich bin.
Nächstes Jahr - so ich wieder teilnehme - starte ich vom besseren Startblock. Außer vielleicht, wenn am Wochenende davor ein 24h Rennen ansteht.

Samstag, 25. August 2012

Weiche Knie

Weil's Zeit wurde und überhaupt, ist der heutige Tag im Kalender rot angekreuzt. Natürlich bastelt man an Auswegen/Ausreden. Zum Beispiel, dass es ja regnen könnte. Und ach ja, das Rad muss erst mal in die Werkstatt. Und überhaupt, ...

... den ganzen Tag vergeblich auf Regen gewartet, das alte Bike ausgemottet, bis zum spätest möglichen Zeitpunkt gewartet. Erste MTB-Ausfahrt seit meiner Verletzung. Ziel: Pfenningberg und eben die Abfahrt, auf der es passiert ist. Auf der Anfahrt und im Anstieg fühle ich mich nicht anders als auf einer lockeren Trainingsfahrt, aber das ändert sich, als ich über die Kuppe komme und in den Hohlweg einfahre. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend, zu viel Gewicht auf den Armen, dafür mit weichen Kniern, insgesamt verkrampft und ständig versucht, die Bremse schleifen zu lassen,  kämpfe ich mich hinunter. Interessant zu sehen, wie weit ausserhalb seiner Komfortzone man sein kann, obwohl man eine nicht eigentlich schwierige Passage recht langsam befährt. Schätze, ich sollte mir diesbezüglich eine Desensiblisierungsstrategie zurechtlegen.

Montag, 20. August 2012

Race Around Austria

Die letzten paar Tage habe ich in St. Georgen im Attergau verbracht, dem heurigen Start- und Zielort des Race Around Austria, in dessen Rahmenprogramm zwei Brevets über 300km am Samstag und 200km am Sonntag stattgefunden haben. Nebenbei hab ich natürlich vor allem mit jenen RAA-Teilnehmern mitgefiebert, welche die Haider Brevets im Frühjahr als Trainingseinheiten nutzen.

Nach meiner Verletzung vor zwei Monaten war mein Ziel, einen der RAA-Brevets zu beenden. Meine Form war zuletzt noch nicht so besonders, also wollte ich über die 200km antreten. Am Freitag unternahm ich noch eine Ausfahrt, um mir den Pass Gschütt anzusehen, den ich noch nicht kannte. Mit dem Heimweg über die Postalm kamen gute 160km zusammen, und ich hatte wieder Spaß am Radfahren. In einem Anfall von Optimismus (oder Wahnsinn?) entschied ich mich am Abend, doch am Samstag zu starten.
Über ein paar steile Hügeln ging es von St. Georgen aus über Oberndorf am Inn nach Bayern, wo Ferdl die erste Kontrollstelle organisierte. 24h-Crack Christian Gammer setzte sich bald darauf ab, und wurde für die verbleibenden 3/4 der Distanz nimmermehr gesehen. Bis zur Kontrollstelle 2 am Pillersee war ich mit Randonneurskollegen Josef Pflügl und dem Linzer Steppenwolf-Tandem unterwegs, es ging bei bestem Wetter und landschaftlich reizvoll von Laufen über Ruhpolding nach Reit im Winkl und bei Kössen zurück nach Österreich. Am Pillersee pausierten Josef und ich ca. eine Minute länger als das Tandem, auch die beiden haben wir dann erst im Ziel wieder gesehen.
Von St. Ulrich über Hochfilzen nach Saalfelden fuhr ich eher locker, denn ab da wartete mit dem etwa 14km langen Anstieg zum Filzensattel ein echter Hammer. Zieht sich die Straße zuerst lange und eher flach bis nach Hinterthal, stellt sich am Talschluss die Straße auf und steigt für die letzten 3km meist deutlich im zweistelligen Prozentbereich. Der obere Teil des Dientener Sattels, der nach einer rasanten Zwischenabfahrt folgte, kam mir mit 8 bis 10% beinahe flach vor. Mit 1370m Seehöhe war schließlich das Dach der Runde erreicht, die folgende Abfahrt nach Bischofshofen verging wie im Flug, auch wenn Spitzengeschwindigkeiten von über 80km/h ein flaues Gefühl in der Magengegend erzeugen - das bin ich nicht mehr gewohnt, und der Sturz sitzt dann doch noch im Hinterkopf. 
Im Salzachtal bis Hallein herrschte stetiger Gegenwind, mit zwei "Tankstopps" waren wir wieder gemütlich unterwegs. Als lästige Steigung erwies sich das Wiestal, aber das lag wohl an der einsetzenden Müdigkeit (auch landschaftlich soll es schön sein: auch dafür hatte ich kein Auge mehr), dafür war das letzte Stück zurück über Mondsee fast ein Heimspiel, weil von etlichen Brevets bekannt. Kurz nach acht waren wir zurück in St. Georgen.

Den 200er hab ich dann ausgelassen, dafür den Zieleinlauf des RAA angesehen. Extrem spannend, nachdem die letzte Nacht für einen Umsturz im Klassement gebracht hatte. Eduard Fuchs blieb unter vier Tagen Fahrzeit, Simon Ruff (Platz 2) und Hans Eisenbraun (Platz 3) unter 100h. Thomas Stindl kam heute morgen als 8. ins Ziel (4 Tage 20 Stunden 15 Minuten). Leider ausgeschieden sind David Misch und Christian Burtscher.

Freitag, 17. August 2012

1000km Brevet - Teil 2

Tag 1 des Tausenders endete für die meisten Teilnehmer am Campingplatz campanula in Kolbnitz. Einige wenige Teilnehmer fuhren weiter in die Nacht um später (Tom Stindl) oder gar nicht (David Misch, Peter Six, Fredl Buchegger, ...) zu schlafen. Allerdings war die Nacht stürmisch, und es setzte starker Regen ein, der auch Tag 2 bestimmen sollte.

Aus Betreuersicht war der zweite Tag einfach: 
Ab halb vier auf den Beinen, Frühstück für die Abreisenden organisieren, Kontrollstellen am Weg anfahren (und Rechnungen begleichen: für Fahrer, die während der Sperrstunde vorbeikommen, sind bei manchen Gasthäusern Getränke und Nahrung hinterlegt, natürlich wird der Betrag im Ziel fällig :-) ), dann Gepäckstransport nach Kaindorf bei Hartberg (ca. km 680), Kontrollstelle war hier das Gasthaus Steirerrast, Schlafstelle im Kulturhaus auf Liegen aus dem Wellnessbereich der Steirerrast - danke an den Wirt Karl dafür und für die ausgezeichnete Verpflegung für die Fahrer, danke auch an die local guides, welche die Teilnehmer zum Kulturhaus brachten. Ich hatte Zeit für eine Dusche und ein kurzes Schläfchen, bevor das Gros der Teilnehmer zu empfangen war - beachtlich, dass zu diesem Zeitpunkt David Misch bereits im Ziel in Haid war, seine Fahrzeit betrug 40:04h. 
Die letzten beiden Fahrer trudelten nach Mitternacht ein, und ich kam erst nach halb zwei ins Bett.

Aus Sicht der Fahrer war Tag 2 bescheiden. Ich hätte nicht unterwegs sein wollen: den ganzen Tag lang heftiger Regen bei kühle Temperaturen (vor allem, wenn man völlig durchnässt die Soboth hinunter muss ...), erst gegen abend wurde das Wetter wieder besser. Umso schöner finde ich, dass es an diesem Tag keine Aufgaben gab.

Am dritten Tag war das Wetter deutlich besser, wenn es auch in der Gegend um Ochsattel, Gscheid und Mariazell wohl fast immer wieder mal regnet, wie erfahrene Randonneure von etlichen anderen Brevets wissen. Dafür führte der Brevet ab der Kalten Kuchl bis auf einen Abschneider im Ennstal über eine Route, die vielen bereits vom 600er bekannt war. Aus Betreuersicht gab es nicht allzuviel zu tun: Nach dem Fahrerfrühstück ein bisschen Ordung manchen in der Halle, sollte ja nicht alles an Karl hängen bleiben), Kontrollstellen besuchen und Gepäcktransport zurück an den Startort. Für die einzige Überraschung war ein Fuchs, der im Salzatal vor unseren Bus sprang. Und stehen blieb. Und uns ziemlich lange anstarrte. Und schließlich weitertrottete.
Leider brachte dieser Tag auch eine weitere Aufgabe. Alex musste ca. 100km vor dem Ziel vom Rad: das tut mir sehr leid, aber es gibt wichtigeres als Radfahren und die Gesundheit geht vor!

Im Ziel unterstützte ich Edith beim Empfang der Finisher: Urkunde, Finisher-Pokal, Foto, Spaghetti ... wobei ich auf die letzten bis 5Uhr am Montag morgen wartete.

Mein Fazit:
Das Betreuen ist mindestens so anstrengend wie das Radfahren. Die langen Strecken im Auto ermüden, man schläft in den Nächten nicht besonders lange, muss immer wieder mal improvisieren, telefonieren, fotografieren, Fragen beantworten, freundlich sein, die selben Fragen nochmal beantworten, dabei Zeitpläne im Auge behalten, etc. Hochachtung vor Edith und anderen freiwilligen Helfern, die diesen Job im Hintergrund erledigen.
Dass es bei denkbar schwierigen Witterungsbedingungen auf einer denkbar schwierigen Strecke bei 23 Startern nur drei DNFs gab, freut mich sehr - Gratulation an alle Finisher, ich war trotz Verletzung gern Teil dieser Veranstaltung.

Donnerstag, 26. Juli 2012

Windschutzscheibenperspektive - 1000km Brevet, Tag 1

Es gibt diese Momente. Am Freitag morgen kurz vor fünf Uhr etwa, als sich die Teilnehmer am heurigen 1000km Brevet zum Start aufstellen. Wenn man bei Bruck abbiegt auf die Großglockner Hochalpenstraße - zugegeben, bevor der Himmel seine Schleusen öffnet. Am Samstag abend, als der Regen endlich aufhört, in der beginnenden Dämmerung der Himmel über Kaindorf aufreißt, ein paar wackere Randonneure sich wieder auf's Rad schwingen, um in die Nacht hineinzufahren. In solchen Momenten wird man ein wenig wehmütig, weil man nicht mitkommen darf. Leider spielt mein Flügerl noch nicht ganz mit.

Donnerstag abend

23 Teilnehmer, darunter acht Deutsche und drei Italiener, und ein paar Begleiter treffen sich zur Vorbesprechung in der Tennishalle in Haid, Edith kredenzt zur Pastaparty Gulasch, die Stimmung ist locker, man merkt die Vorfreude auf den bevorstehende Ritt über eine sehr anspruchsvolle Strecke mit 11.000 Höhenmeter, deren Highlights der Glockner am ersten Tag und die Soboth am zweiten werden sollen - die Wetteraussichten sind schlecht, was den Brevet nicht einfacher macht. Dementsprechend kurz wird der Abend.

Freitag früh

Ab vier Uhr morgen tauchen die Teilnehmer auf, Ferdinand spendiert noch ein Frühstück, es folgt ein kurzer Fototermin, dann werden die Fahrer auf die Strecke entlassen. Reini und ich beladen den VW-Bus, mit dem wir bis Sonntag nachmittag unterwegs sein werden, um nach Kräften an den Kontrollstellen auszuhelfen. Gegen sechs fahren wir los zu K1, Attersee am Attersee, k&k Konditorei, wo wir das Stempeln der Brevetkarten übernehmen.

Eine Spitzengruppe, bestehend aus fünf Fahrern (David Misch, Tom "Turbo" Stindl, Alfred Buchegger, Alexander Vonbank, Gernot Stenz - ich hoffe, ich hab niemanden vergessen) erreichen bereits um viertel nach sieben den die erste Kontrollstelle. Lokalmatador Josef P. lässt es sich übrigens nicht nehmen, die Gruppe ein Stück zu begleiten, bevor er ins Büro muss. Es folgen weitere kleine Gruppen und einzelne Fahrer, bis kurz vor acht Uhr das Hauptfeld eintrifft, aufgehalten durch einen Defekt am Rad von Piero Rivoira (Freilauf kaputt, wird mit Unterstützung von Radpoint in Vöcklabruck wieder gerichtet). Für die Fahrer geht's weiter über die Postalm ins Salzburgische, und auch der Bus muss weiter zu K2 in Annaberg im Lammertal.

Mittags

In Annaberg bauen wir an der Tankstelle ein Buffet auf: Wurst- und Käsebrote, das Gulasch vom Vorabend, Kuchen, Bananen, Saft und Wasser. Die beiden Grazer David und Tom tauchen um um viertel nach elf auf, und halten nur kurz: Wer pausiert, verliert (und auch wenn ein Brevet kein Rennen ist, so verliert man dennoch Zeit). Fünf Minuten später kommen Alfred und Alex an. Die beiden wollten im Anstieg zur Postalm nicht das hohe Tempo mitgehen, das die beiden Steier anschlugen, lassen sich auch bei der Labe deutlich mehr Zeit. Nach und nach kommen die weiteren Fahrer, Reini und ich können noch die Gruppe um Ferdinand abwarten, die Nachzügler müssen sich in der Tankstelle versorgen. Wir müssen weiter zum Großglockner, wo bei der Kontrollstelle an der Fuscherlacke vereinbart ist, dass die Teilnehmer auf ihre Taschen im Gepäcksanhänger zugreifen können, um sich für die Abfahrt nach Heiligenblut umzuziehen.

Großglockner

Sobald der Anstieg zum Fuscher Törl beginnt, beginnt auch der Regen: wolkenbruchartig, mit Blitz und Hagel, Bäche laufen über die Straße, und wo die Wolken im Berg hängen, sieht man kaum, wohin die Reise gehen soll.
In den ersten Kehren überholen wir erst Alex, dann Alfred und ziemlich weit oben noch Tom. In den langen Anstiegen fährt jeder sein eigenes Tempo. Als der Bus zur Fuscherlacke kommt, sehe ich gerade noch, wie David den Anstieg Richtung Hochtor hochsprintet - beeindruckender Antritt, nicht umsonst dürfte er heuer zum Favoritenkreis für's Race Around Austria zählen. David sollten wir erst im Ziel wieder treffen. Während wir auf die weiteren Fahrer warten, wechselt das Wetter im Minutentakt: Wolkenbruch, Nebel, blauer Himmel, Blitze, Hagel. Unvorstellbar, jetzt am Rad zu sitzen.

Aus Betreuersicht ist bisher alles nach Plan verlaufen, doch dann sollte sich ändern. Als erstes sperrt der Mankei-Wirt, mit dem abgesprochen war, dass sein Gasthaus als Kontrollstelle zum Stempeln der Brevetkarte zur Verfügung steht, wegen des Schlechtwetters um halb fünf Uhr zu. Reini versucht zu verhandeln, telefoniert mit dem Chef, wir suchen nach einer alternativen Kontrollstelle, die wir schließlich im Wallackhaus finden (das Personal in der Mankei kann weder sagen, wo die nächste Gaststätte ist, noch wie sie heißt, aber dass es bei diesem Wetter ohnehin geschlossen ist, dass wollen sie mit Sicherheit wissen - glücklicherweise haben sie Unrecht). Reini und ich werden vor die Tür gesetzt, selbe rasch vergesperrt; schließlich kommen in dem Moment ein paar tropfnasse, frierende Radtouristen an, die sonst den Feierabend hinauszuzögern drohen. Für die Teilnehmer hinterlassen wir eine Nachricht mit Hinweis auf die geänderte Kontrollstelle und hoffen, dass auch die Italiener verstehen, was gemeint ist.

Auf dem Weg zum Wallackhaus erreicht uns ein Anruf von Ferdinand. Weil am Hochtor ein Wintereinbruch befürchtet wird, werden ab 17 Uhr keine einspurigen Fahrzeuge mehr durch die Mautstelle gelassen. Zwei Teilnehmer werden noch in Bruck an der Glocknerstraße an der Kontrollstelle Lukaswirt angehalten, ein Deutscher, der an dieser Stelle aufgibt, sowie Piero, der durch den Defekt weit zurück liegt. Piero wird mit der Bahn durch die Tauernschleuse nach Kärnten gebracht. Einige Teilnehmer warten in Ferleiten, deren Räder in Bus und Anhänger werden im Bus verstaut. Mit dem Bus, einem weiteren Betreuerauto, das Peter Six begleitet, per Autostopp und mit einem Taxi bringen wir diese Fahrer über den Berg, auch die Fahrer im unteren Bereich der Glocknerstraße sammeln wir ein, während oben bereits die Fahrzeuge zur Schneeräumung bereitstehen. Glück hat Rudi, als 100m neben ihm ein Blitz einschlägt, aber er hat nun genug, und gibt ebenfalls auf. Joe und Pierre, die wir kurz vorm Fuscher Törl treffen, begleiten wir mit dem Bus bis zum Wallackhaus. Leider haben wir keine Plätze mehr frei. Die beiden lassen es sich übrigens nicht nehmen und fahren auch die nasse Abfahrt nach Heiligenblut mit dem Rad. Die anderen entlassen wir in Winklern auf die Strecke. Bis Obervellach, wo auf einem Campingplatz eine Schlafstelle eingerichtet ist, ist es nicht mehr allzu weit, und vor allem ist die Straße wieder trocken.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Abflug mit Folgen

Die meisten Freunde werden es schon über Facebook oder bikeboard.at mitgekriegt haben, der Vollständigkeit halber fass ich es hier nochmal zusammen (und schreib noch ein paar Sachen auf, um meine Situation für mich zu klären).

Im Augenblick bestimmen mich zwei Emotionen. Einerseits Erleichterung, dass nicht mehr passiert ist. Andererseits Enttäuschung, weil der geplante Saisonhöhepunkt im Juli (24h von Grieskirchen, 1000km Brevet durch Österreich) gelaufen ist. Zweiteres hilft eh nix, das Schlüsselbein ist durch, nachdem ich gestern abend beim Mountainbiken mit der Schulter einen Baum touchiert habe. Ich war, denke ich, nicht eigentlich schnell, die Stelle nicht eigentlich schwierig. Ich denke, dass ich wohl einen Augenblick unkonzentriert war, versteuert habe und mit dem Vorderrad in einer vom Regen entstandenen "Schrunse" im Weg "hängengeblieben" bin (kennt man solche Stürze von Straßenbahnschienen?).

Glück im Unglück

Ich hab den Baumstamm mit der Schulter getroffen und nicht mit dem Kopf. Ein geschrottetes Schlüsselbein ist mir lieber als ein Schädelbasisbruch.
Der Bruch ist relativ schön, die Knochen an der Bruchstelle nicht sehr stark verschoben. Das heißt jetzt mal, dass ich vier Wochen lang einen Tornisterverband tragen muss, aber eine Operation sehr wahrscheinlich nicht notwendig ist (sofern das Kontrolröntgen nächsten Montag nix anderes zeigt).
Ich bin halbwegs schmerzfrei, solange ich den linken Arm ruhig halte, daher verzichte ich auf die Einnahme der verschriebenen Schmerzmittel. Am meisten tut die Schultermuskulatur weh, die als Reaktion auf den Tornister ziemlich verspannt ist. Aber das ist jetzt Jammern auf hohem Niveau.
Ich war nicht alleine unterwegs und Lukas hat mich nach dem Sturz ausgezeichnet unterstützt.

Herausforderung Alltag

Im Augenblick bin ich ziemlich eingeschränkt. Aus dem Bett aufstehen, Körperpflege, Anziehen, Essen, alles ist schwierig. Sicher Übungssache, in vier Wochen sind die meisten Tätigkeiten wohl auch ein Kinderspiel. Beim Waschen werde ich Unterstützung brauchen (übernimmt dankenswerterweise meine Schwester, die mich sonst in Grieskirchen betreut hätte). Kochen werde ich mir wohl sparen in nächster Zeit. Muss ohnehin aufpassen, durch den Wegfall der körperlichen Tätigkeit nicht an Gewicht zuzulegen.

 Neuorientierung und geänderte Ziele für 2012

Ich möchte möglichst bald wieder am Ergometer sitzen um locker zu fahren. Darf man das mit Tornister, oder ist es nicht gut, wenn der komplett durchgeschwitzt wird?
Als festes Ziel möchte ich zumindest am 200km Brevet im August teilnehmen, wenn ich mich gut genug fühle, auch den 300er, ebenfalls im August. Ich nehme mir keine Zeit vor, sondern möchte nur Genussradeln.
Für September werde ich die Entscheidung noch etwas aufschieben (zur Debatte stehen die 24h in Hitzendorf, das Atterseezeitfahren "King of the Lake" und ein paar kleinere Rennen vor meiner Haustüre).
Morgen werde ich mein Rad abholen, das am Pfenningberg bei einem Bauern steht, und mir dabei die Unfallstelle ansehen. Ich werde sie geistig so durchfahren wie es sich gehört und hoffen, dass der Sturz damit mental erledigt ist.